Schüßler-Salze: Wirkung und Anwendung

Schüßler-Salze © the3cats

Mineralstoffe im Körper regulieren und so Krankheiten behandeln – das ist der Anspruch der Schüßler-Salze. Sie sind auch für die Selbstbehandlung geeignet. Seit fast 150 Jahren sind die Schüßler-Salze Bestandteil der alternativen Medizin. Nach ersten Erfahrungen mit der Homöopathie hat der Oldenburger Arzt Dr. Heinrich Wilhelm Schüßler schließlich eine eigenständige Behandlungsform entwickelt. Er nannte sie "Biochemie" oder "Biochemische Heilweise". Der Grundgedanke: Bei Krankheitssymptomen besteht eine Verteilungsstörung von Mineralsalzen im Körper, die durch die Einnahme eben dieser Salze wieder ausgeglichen werden soll. Welche Wirkung haben Schüßler-Salze und was ist bei der Anwendung zu beachten?

Schüßler-Salze: Minerale in starker Verdünnung

Die Behandlung mit Schüßler-Salzen hat nichts mit einer Nahrungsergänzung zu tun, bei der man hohe Konzentrationen von Mineralsalzen wie Magnesium, Kalzium oder Kieselsäure zum Beispiel als Tabletten zu sich nimmt. Ihre Wirkung zielt auf etwas anderes ab: In den homöopathisch dosierten Schüßler-Salzen sind die jeweiligen anorganischen Minerale nur in starker Verdünnung enthalten. Die häufig verwendete Verdünnung D6 steht beispielsweise für einen Teil des Salzes und eine Million Teile des Verdünnungsmittels.

Schüßler und seine Anhänger wollen auf diese Weise nicht etwa einen nahrungsbedingten Salzmangel ausgleichen, sondern direkt Vorgänge in den Körperzellen anstoßen: Diese sollen dadurch leichter die richtigen Mineralien in ausreichender Menge aufnehmen. So sollen die Funktion der Organe verbessert und die Selbstheilungskräfte im Körper angeregt werden.

Basissalze und Ergänzungsmittel

Schüßler selbst hat zwölf Basissalze (oder auch Funktionsmittel) entwickelt, später kamen noch 15 weitere Ergänzungsmittel hinzu. Die Salze haben den Vorteil, dass sie relativ einfach zu handhaben und damit auch gut für die Eigenbehandlung durch den Laien geeignet sind. Auch bei Kindern können sie angewendet werden – Neben- und Wechselwirkungen sind nicht bekannt.

Schüßler führte eine Liste, wie und wann die betreffenden Mineralsalze aus seiner Erfahrung am besten eingesetzt werden. Trotzdem ist die Wirksamkeit der Schüßler-Salze nicht in wissenschaftlichen Studien belegt. Sie bezieht, wie viele alternative Heilmethoden, den Nachweis ihrer Wirksamkeit aus der Praxis.

Schüßler-Salze kann man rezeptfrei in der Apotheke kaufen.

Anwendung von Schüßler-Salzen

D6 gilt als Regelpotenz für die meisten Schüßler-Salze, die Regelpotenz für die Salze Nr. 1, 3 und 11 ist D12.

Die kleinen, auf Zucker basierenden Tabletten lässt man im Mund zergehen oder trinkt sie aufgelöst in heißem Wasser (nicht mit Metalllöffel verrühren!) in kleinen Schlucken, die möglichst lange im Mund behalten werden. So sollen die Wirkstoffe bereits über die Mund- und Rachenschleimhaut ins Blut übergehen.

Faustregel: Bei akuten Beschwerden alle 10 bis 15 Minuten eine Tablette nehmen, nach Besserung die Abstände schrittweise vergrößern bis zu einer Einnahme von 3 bis 5 Tabletten am Tag – solange bis die Symptome verschwunden sind.

Auf der jeweils gleichen Wirkstoffbasis gibt es außerdem Salben, zum Beispiel für Hauterkrankungen oder bei Quetschungen und Gelenkerkrankungen, sowie Lotionen, Gele, Globuli und Pulver. Auch die Einnahme mehrerer Schüßler-Salze ist gebräuchlich.

Schüßler-Salze zum Abnehmen

Ist der Organismus aus dem Gleichgewicht geraten, können aufgenommene Nährstoffe nicht mehr richtig verarbeitet werden und Stoffwechselprodukte lagern sich ab. Die Folge: Abnehmen wird schwerer.

Schüßler-Salze sollen jedoch den Stoffwechsel ankurbeln und so dabei helfen, an Gewicht zu verlieren. Besonders beliebt zum Abnehmen sind folgende Salze:

  • Nr. 4: Kalium chloratum
  • Nr. 6: Kalium sulfuricum
  • Nr. 9: Natrium phosphoricum
  • Nr. 10: Natrium sulfuricum

Die richtige Kombination zum Abnehmen gestaltet sich jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ein*e Arzt*Ärztin oder Heilpraktiker*in kann helfen, herauszufinden, welche Abnehm-Kur am besten geeignet ist.

Zu beachten ist jedoch, dass mit Schüßler-Salzen alleine die Kilos nicht purzeln. Denn dazu braucht es auch regelmäßige Bewegung sowie eine gesunde Ernährung.

Schüßler-Salze: Liste der 12 Hauptsalze

Schüßler-Salze werden vorwiegend zur Selbstbehandlung genommen. Doch welches Schüßler-Salz ist das richtige? Für die richtige Auswahl des passenden Salzes muss man entweder ein klares Beschwerdebild haben oder sich anhand körperlicher Merkmale sehr genau beobachten. Entsprechende Symptomlisten sind in einschlägigen Büchern zu finden – hier eine kurze Übersicht, bei welchen Hauptsymptomen welches Mittel besonders geeignet ist:

  • Nr. 1 Calcium fluoratum (Kalziumfluorid) – "Der Elastizitätsförderer": Hornhautbildungen, splitternde Fingernägel, Gewebserschlaffung, Analekzeme, Krampfadern, Hämorrhoiden und Adernverkalkung.
  • Nr. 2 Calcium phosphoricum (Kalziumphosphat) – "Der Zellerneuerer": Störungen der Zahn- und Knochenbildung, schlecht heilende Knochenbrüche. In Verbindung mit Nr. 8 für die Genesungsphase nach überstandenen Krankheiten.
  • Nr. 3 Ferrum phosphoricum (Eisenphosphat) – "Der Entzündungshemmer": Hauptmittel im ersten Stadium aller Entzündungen und bei frischen Wunden, Quetschungen, Verstauchungen, Blutungen und pulsierenden Schmerzen.
  • Nr. 4 Kalium chloratum (Kaliumchlorid) – "Der Schleimhautstärker": Entzündungen im "zweiten Stadium", bei weiß-grauem Belag der Zunge, Mandelentzündung, Masern, Mumps, Heiserkeit, Mittelohrkatarrh, Augenentzündung, Gelenkschwellung, Sehnenscheidenentzündung.
  • Nr. 5 Kalium phosphoricum (Kaliumphosphat) – "Der Energiespender": für Nerven und Psyche, gegen Unruhe, Schlaflosigkeit, Erschöpfungszustände des Körpers und des Geistes, Gedächtnisschwäche, Herzschwäche, Muskelschwäche und Lähmungsgefühl, aber auch kreisrunden Haarausfall.
  • Nr. 6 Kalium sulfuricum (Kaliumsulfat) – "Der Schleimhemmer": Im "dritten" Stadium der Entzündung, Katarrhe (gelblich-schleimig) wie Fließschnupfen; fördert die Abschuppung nach Masern, Scharlach und Röteln sowie die Entgiftung über die Leber.
  • Nr. 7 Magnesium phosphoricum (Magnesiumphosphat) – "Der Krampflöser": Krampfneigung wie Herzkrampf, Magenkrampf, Blasenkrampf, Wadenkrampf, Regelkrämpfe. Auch bei Magen-, Gallen- und Nierenkoliken.
  • Nr. 8 Natrium chloratum (Natriumchlorid, Kochsalz) – "Der Wasserhaushaltsregulierer": Blutarmut, Tränen- und Speichelfluss, wässriger Nasenkatarrh, Kälteempfindlichkeit, Lippenbläschen, Kopfschuppen, trockene Haut.
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum (Natriumphosphat) – "Der Säurehemmer": Sodbrennen, Rheuma, Ischias, chronische Müdigkeit, Akne, Mitesser, Windeldermatitis, Sodbrennen, Heißhunger, Gastritis und nach fettreicher Mahlzeit.
  • Nr. 10 Natrium sulfuricum (Natriumsulfat) – "Die Reinigungskraft": Schnupfen, Grippe, geschwollene Augen, Verstopfung, Durchfall, Rheuma, Schuppenflechte, Neurodermitis, Vergiftungskopfschmerzen (Kater), Fieberblasen.
  • Nr. 11 Silicea (Kieselsäure) – "Der Festigkeitsgeber": Erschöpfung, Unterernährung, Alterserscheinungen, Furunkel, Fistel, Drüsenvereiterungen, Arterienverkalkung, Zahngeschwüre, Gerstenkorn, Überbein, Hautjucken, diffuser Haarausfall, Bindegewebsschwäche.
  • Nr. 12 Calcium sulfuricum (Kalziumsulfat) – "Der Wundheiler": Offene Eiterungen und Abszesse, Rachitis, Blasen- und Nierenentzündungen, Rheuma, Gicht, Zahnfleischentzündung, chronische Bronchitis.

Die 15 Ergänzungsmittel tragen die Nummern 13 bis 27.

Aktualisiert: 21.04.2021 - Autor: Dagmar Reiche

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