Selbstverteidigung für Ältere - Grenzen der Selbstverteidigung

Selbstverteidigung erfordert Geistesgegenwart – und die Kenntnis der eigenen Grenzen

Ob Aikido, Karate oder Wing Tsun: Wichtig ist es, so empfehlen Experten und Trainer, im Falle einer Bedrohung durch Körpersprache und Wortwahl den Opfer-Täter-Kreislauf zu durchbrechen, den der Angreifer erwartet. Selbstbewusstsein, Schnelligkeit, Geistesgegenwart und Reaktionsvermögen werden gestärkt.

Die aktive Abwehr einzusetzen ist allerdings nur sinnvoll, wenn intensiv und regelmäßig trainiert wird, damit in realen Notsituationen tatsächlich mit den richtigen Bewegungsabläufen reagiert wird.

Angst vor Kriminalität beeinträchtigt Wohlbefinden

Nach Untersuchungen des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen führt Kriminalitätsfurcht bei älteren Menschen zu einer stärkeren Beeinträchtigung des allgemeinen Wohlbefindens. Dies kann zu einem Rückzug aus dem öffentlichen Leben und einer damit verbundenen Vereinsamung führen. Auch leiden Senioren im Gegensatz zu jüngeren Menschen mehr unter den Folgen von Straftaten.

Die niedersächsische Studie zeigt auch, dass das Wohlbefinden älterer Menschen zum Beispiel nach einem Wohnungseinbruch deutlich stärker beeinträchtigt wird als bei jüngeren Menschen. Sie fühlen sich in den eigenen vier Wänden und auf der Straße nicht mehr wohl, nicht selten begleitet von längerfristigen Ängsten.

Senioren sind in vielen Fällen vorsichtiger. Oft ist es Ausdruck einer insgesamt erhöhten Unsicherheit, da sie bisweilen aufgrund nachlassender physischer Kräfte oder möglicher Seh- und Hörschwierigkeiten unsicherer und verletzlicher sind.

Selbstbehauptung statt Selbstverteidigung

Für viele Senioren kommt Selbstverteidigung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in Frage, wohl aber die Selbstbehauptung. Polizei-Psychologen empfehlen daher, Öffentlichkeit herzustellen, also etwa durch Rufen oder Schreien auf Übergriffe lautstark aufmerksam zu machen. 80 Prozent aller Angreifer geben dann auf. Selbstsicherheit und Zivilcourage müssen vor allem trainiert werden, damit die Abwehr im Ernstfall funktioniert.

Trainieren lässt sich auch diese Abwehrhaltung: Mit dem ausgestreckten Arm Abstand herstellen und im sogenannten Passgang zurückgehen. Dabei muss man immer den Angreifer im Auge behalten und bereit sein, mit der Schlaghand zu kontern.

Aikido als Selbstverteidigung

Edmund Kern wehrt mit fließenden Wendungen die Angriffe seines Angreifers ab, der ihn mit Faustschlägen zu treffen versucht. Edmund Kern ist 74 Jahre alt – und er ist ein Sensei, ein Meister und Lehrer und gehört zur Elite der Aikido-Meister in Deutschland und Europa. 1988 gründete er das Takemusu Aiki Dojo Bayern e.V..

Beim Aikido geht es darum, der Aggression des Angriffes nicht selbst mit Aggression zu begegnen, sondern ihn abzuwehren und die Kraft des Angreifers zu nutzen. Dieser soll in eine Situation gebracht werden, in der er nicht ohne weiteres einen erneuten Angriff starten kann, bzw. wo er die Sinnlosigkeit seines Tuns erkennt. Dies geschieht meist durch Würfe und Hebel, die den Großteil der Aikido-Techniken ausmachen.

Kampfsport im Alter

Zu alt für diesen Sport fühlt Edmund Kern sich nicht: "Die Bewegungen beim Aikido entsprechen dem natürlichen Bewegungsablauf", erklärt er. Deshalb könne er nur jedem raten, egal in welchem Alter, den Kampfsport auszuüben. Auch älteren Menschen komme es entgegen, dass man im Zusammenspiel mit den Übungspartnern etwas über die Koordination der Bewegungen und die eigene körperliche Fitness erfahre.

Das Aikido-Training lässt jeden seine eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten erfahren. Das hat auch Ines Heindl gelernt. Volle Konzentration und auch Fallen und Rollen lernt man durch Aikido. Die heute 58-Jährige hat durch Aikido nach einem Bandscheibenvorfall gelernt, ihren Körper zu fordern. Inzwischen ist sie ein Dan, eine Meisterin der Selbstverteidigungskunst und trainiert Frauen und Männer zwischen Ende 50 und Anfang 60.

Für sie ist ein besonders positiver Nebeneffekt des Aikido die Förderung der Koordinations- und Reaktionsfähigkeit. Auf diese Weise fürchten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Kurse wenige vor Stürzen im Alltag, da sie eine deutlich bessere Körperbeherrschung erlernen. Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse für alle Altersgruppen bieten die örtlichen Volkshochschulen, aber auch Einrichtungen wie DRK, AWO etc. sowie Judo- und Karatevereine an.

Aktualisiert: 10.02.2017 - Autor: bo

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