Häusliche Pflege von Angehörigen – Zahlungen aus der Pflegeversicherung

Wenn Angehörige die Pflege selbst übernehmen, erhalten die Pflegebedürftigen von der Pflegeversicherung ein monatliches Pflegegeld. Mit diesem Geld können sie die erhöhten Aufwendungen bestreiten, die durch die Pflege entstehen. Je nach Pflegegrad variieren die Beträge. Die pflegebedürftige Person erhält die bewilligte Summe direkt von der Pflegekasse und kann damit Angehörige, Freunde, Nachbarn oder andere Personen bezahlen, die sie pflegen.

Qualitätssicherungsbesuche für eine angemessene Pflege

Um sicherzustellen, dass die Pflege auch wirklich angemessen erfolgt, sind Pflegegeld-Empfänger und -Empfängerinnen in den Pflegegraden 2 und 3 alle sechs Monate, bei den Pflegegraden 4 und 5 alle drei Monate verpflichtet, eine pflegerische Beratung durch einen von der Kasse zugelassenen Pflegedienst durchführen zu lassen. Die Kosten dafür übernimmt die Pflegekasse. Auch wenn Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 keinen Anspruch auf Pflegegeld haben, können sie die Besuche freiwillig in Anspruch nehmen.

Leistungen bei häuslicher Pflege

Pflegebedürftige, die auf einen ambulanten Pflegedienst verzichten, erhalten ein monatliches Pflegegeld zur Unterstützung und Anerkennung der Pflege. Der Pflegebedürftige darf frei entscheiden, für was er das Pflegegeld verwendet.

Voraussetzung ist jedoch, dass die häusliche Pflege in angemessener Weise gewährleistet ist. Dies wird zunächst durch einen Gutachter festgestellt und dann, wie beschrieben, in den regelmäßigen Qualitätssicherungsbesuchen kontrolliert.

Das Pflegegeld richtet sich nach dem jeweiligen Pflegegrad und beträgt monatlich:

  • 316 Euro bei Pflegegrad 2
  • 545 Euro bei Pflegegrad 3
  • 728 Euro bei Pflegegrad 4
  • 901 Euro bei Pflegegrad 5

Leistungen bei ambulanter Pflege (Pflegesachleistung)

Pflegebedürftige können einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen, der die Pflege zu Hause durchführt. Die Kosten übernimmt die Pflegeversicherung. Der Pflegebedürftige kann zwischen allen Pflegediensten auswählen, die einen Versorgungsvertrag nach §§ 71 ff. SGB XI abgeschlossen haben. Die Pflegedienste rechnen dann direkt mit der Pflegeversicherung ab.

Die monatlichen Höchstbeträge für den Pflegedienst belaufen sich auf:

  • 689 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.298 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.612 Euro bei Pflegegrad 4
  • 1.995 Euro bei Pflegegrad 5

Leistungen bei vollstationärer Pflege

Im Fall einer vollstationären Pflege in einer betreuten Einrichtung zahlt die Pflegeversicherung an das Pflegeheim eine monatliche Pauschale. Diese beträgt:

  • 125 Euro bei Pflegegrad 1
  • 770 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.262 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.775 Euro bei Pflegegrad 4
  • 2.005 Euro bei Pflegegrad 5

Der Pflegebedürftige muss die anfallenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und eventuelle besondere Komfortleistungen selbst zahlen – es sei denn, die Pflegekosten liegen unter der von der Pflegeversicherung gezahlten Pauschale. In diesem Fall deckt die Pauschale auch die Kosten der Unterbringung und Verpflegung.

Entlastung für Pflegende: Verhinderungspflege

Wenn bei häuslicher Pflege die Pflegeperson beruflich oder aus Krankheitsgründen verhindert ist oder in Urlaub fährt, hat der Pflegebedürftige Anspruch auf die Ersatzpflege.

Die Pflegekasse zahlt für die Ersatz- oder Verhinderungspflege bis zu 1.612 Euro im Jahr für längstens sechs Wochen. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der ersten Verhinderung bereits sechs Monate im Rahmen eines Pflegegrades gepflegt hat.

Wird die Verhinderungspflege von engen Verwandten übernommen, können diese zum Beispiel Fahrkostenersatz oder Verdienstausfall geltend machen. Es könnte auch der Pflegedienst häufiger kommen, wenn die pflegebedürftige Person noch stundenweise allein bleiben kann.

Alternative Kurzzeitpflege

Sollte vor Ablauf eines Jahres eine Ersatzpflege nötig werden, kann man die pflegebedürftige Person für eine gewisse Zeit in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung einweisen. Dort werden Pflegebedürftige über eine begrenzte Zeit stationär betreut. Die Kosten der Kurzzeitpflege werden für bis zu acht Wochen mit bis zu 1.612 Euro übernommen.

Kurzzeitpflege und Ersatzpflege können auch nebeneinander innerhalb eines Kalenderjahres beansprucht werden. Dieser Anspruch auf Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege entsteht jedes Kalenderjahr wieder neu. Viele Seniorenheime halten auch einige Kurzzeitpflegeplätze vor. Es gibt aber auch Einrichtungen allein für Kurzzeitpflege. Die Adressen erfährt man bei den Pflegeberatungsstellen vor Ort.

Teilstationäre Pflege und Nachtpflege

Eine weitere Möglichkeit der Entlastung: Ältere Menschen werden in einer sogenannten teilstationären Einrichtung tagsüber oder nachts gepflegt und betreut, ansonsten leben sie in ihrer eigenen Wohnung. Tages- und Nachtpflege sind vor allem sinnvoll, wenn pflegende Angehörige berufstätig sind.

Tages- und Nachtpflege-Einrichtungen werden von Wohlfahrtsverbänden, kommunalen und privaten Trägern angeboten. Während Tagespflege-Einrichtungen in Deutschland sehr häufig zu finden sind, sind Nachtpflege-Einrichtungen allerdings bislang kaum verbreitet.

Die Leistungen für eine teilstationäre Pflege betragen monatlich höchstens:

  • 689 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.298 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.612 Euro bei Pflegegrad 4
  • 1.995 Euro bei Pflegegrad 5

Aktualisiert: 24.01.2020 - Autor: Sigrid Born; überarbeitet: Nadja Weber

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