Trinkwasserbelastung durch Medikamente

Medikamente setzen sich im Trinkwasser ab © Bruno Glätsch

Arzneimittelrückstände im Trinkwasser sind nach Ansicht von Umweltexperten ein wachsendes Problem. Über 150 Wirkstoffe wurden in Forschungsprojekten und speziellen Messprogrammen in der Umwelt mehrfach nachgewiesen meistens in Seen, Bächen und Flüssen. Am häufigsten lassen sich dem Umweltbundesamt zufolge Blutdrucksenker, Betablocker, Antiepileptika, Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen, Antibiotika und vor allem Röntgenkontrastmittel in der Umwelt und dementsprechend auch in unserem Trinkwasser finden. Forscher vermuten, dass in Anbetracht der alternden Gesellschaft und dem damit zusammenhängenden erhöhten Medikamentenverbrauch die Verunreinigung der Gewässer weiter steigen wird.

Arzneimittel gelangen auf vielen Wegen in den Wasserkreislauf

Wie gelangen die Medikamente ins Trinkwasser? Betrachten wir diese Frage am Beispiel Diclofenac: Rund 85 Tonnen des Schmerzmittels werden jährlich in Deutschland verbraucht. Allerdings verlassen 70 Prozent des Wirkstoffes des Körpers wieder auf natürlichem Wege – und gelangen dabei ins Abwasser. So gelangen etwa 60 Tonnen Diclofenac über den Urin in den Wasserkreislauf.

Trinkt ein Mensch sein Leben lang durchschnittlich zwei Liter Wasser täglich, verbraucht er in 80 Jahren über 50.000 Liter Wasser. Wie viele Medikamentenrückstände er dabei aufnimmt, lässt sich kaum berechnen.

Man weiß noch sehr wenig über mögliche Reaktionen, treffen alle Rückstände der rund 3.000 in Europa zugelassenen Medikamente aufeinander. Allerdings weiß man aus der Tierwelt, dass bei Fischen etwa, die an Kläranlagen-Ausgängen leben, nach Östrogen-Aufnahme (Ethinylestradiol aus der Antibabypille) Geschlechtsumwandlungen beobachtet wurden.

Arzneimittel im Wasser: Falsche Entsorgung und Tierhaltung

Ein Problem ist aber nach Meinung des Umweltbundesamtes auch, dass unwissende oder allzu bequeme Verbraucher nicht eingenommene oder abgelaufene Medikamente einfach in der Toilette oder der Spüle entsorgen. Von dort geraten sie ins Grund- und Oberflächenwasser. Konventionelle Klärwerke und Wasseraufbereitungstechnik können die Rückstände meist nur schlecht filtern.

Und ein weiteres Problem ergibt sich dank der intensiven Tierhaltung: Aufgrund der Güllebehandlung der Wiesen und Felder entsteht eine zusätzliche Belastung mit Medikamenten aus der Tiermedizin – Antibiotika, Hormone usw. Bei der Fischzucht werden Antibiotika und Wurmmittel direkt in Oberflächengewässer eingeleitet.

Forschungsbedarf vorhanden

Zwar sind die nachgewiesenen Mittel im Trinkwasser um ein Vielfaches niedriger als die verschriebene Tagesdosis. Aber bedeutet das nicht, dass sie unbedenklich sind. Eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung des Risikos existiert bislang noch nicht. Vor allem die Wirkung, die sich ergeben könne, wenn Verbraucher viele Jahre lang mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in geringen Konzentrationen über das Trinkwasser zu sich nähmen, ist noch unklar.

Doch herrscht hier großer Forschungsbedarf. Denn zwei sehr besorgniserregende Trends werden mit Rückständen von Medikamenten im Wasser in Verbindung gebracht: Das zunehmende Auftreten von Fruchtbarkeitsstörungen und von multiresistenten Mikroorganismen.

Aktualisiert: 23.04.2019 – Autor: bo

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