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Trinkwasserbelastung durch Medikamente – Abwasseraufbereitung

Arzneimittel-Rückstände im Trinkwasser lassen sich bei normaler Aufbereitung des Wassers in der Kläranlage nicht ausreichend heraus filtern. Was hat das für Konsequenzen? Wir erklären, was Unternehmen und Verbraucher tun können.

Abwasseraufbereitung: Wie wird Wasser gereinigt?

Herkömmliche Kläranlagen können Arzneimittel-Rückstände nicht ausreichend filtern. In der zweiten Stufe werden die meist mechanisch vorgereinigten Abwässer mithilfe von Mikroorganismen – also Bakterien – gereinigt. Abgebaut werden dabei vor allem organische Stoffe, zum Beispiel aus Lebensmittelresten und Fäkalien.

In der weitergehenden Abwasserreinigung werden durch Einsatz von Chemikalien weitere Stoffe wie Phosphate und Schwermetalle gefällt und geflockt und aus dem Wasser entfernt. Übrig bleibt Blähschlamm, der stabilisiert werden muss. Die festen Rückstände werden landwirtschaftlich verwertet, auf Deponien abgelagert oder verbrannt.

Abbau von Arzneimitteln

Wie der Abbau von Arzneimitteln erfolgt und welche Abbauprodukte entstehen, ist nur in einzelnen Fällen geklärt. Wahrscheinlich werden Arzneistoffe beim biologischen, oxidativen Abbau nicht nur zu Kohlendioxid und Bakterienmasse umgewandelt. Es entstehen vermutlich auch Abbauprodukte, die mit den heutigen analytischen Methoden nicht mehr erfasst werden können.

Dr. Manfred Hilp, Apotheker und Diplom-Chemiker, schreibt in der Pharmazeutischen Zeitschrift, dass zum Beispiel Ibuprofen ein "schlechtes Umweltverhalten" zeige. Es wurde im Trinkwasser nachgewiesen, während bei Acetylsalicysäure (ASS) trotz des wesentlich höheren Verbrauchs Salicylsäure nur in Spuren in Fließgewässern gefunden wurde.

Auch das Schmerzmittel Paracetamol gilt als recht gut abbaubar. Dahingegen gibt Diclofenac Grund zur Sorge, da es Vögeln und Fischen schadet. Hormonreste der Anti-Babypille können Einfluss auf die Fortpflanzung von Tieren nehmen.

Moderne Methoden gefordert

Wissenschaftler und das Umweltbundesamt fordern, Arzneimittelrückstände und andere Chemikalien vollständig aus dem Abwasser zu eliminieren. Dazu müsse die Abwasseraufbereitung im Rahmen einer vierten Reinigungsstufe technologisch aufgerüstet werden – gefragt sind zum Beispiel Nano- oder Mikrofiltration oder Aktivkohleverfahren: Über die Oxidation mit Ozon und/oder der Adsorption an Aktivkohlefilter könnten chemische Mikroverunreinigungen effizient aus dem Abwasser gefiltert werden.

Auch Pharmaunternehmen und Verbraucher sind gefragt

Wissenschaft und Umweltbehörde fordern aber nicht nur eine zusätzliche Klärstufe. Genauso wichtig ist, dass möglichst wenige Arzneimittel einen Weg ins Abwasser finden. So könnten etwa Pharmaunternehmen die Umweltdaten neuer Medikamente im Zulassungsverfahren offenlegen.

Verbraucher sollten zudem ihre Arzneimittel im Restmüll statt über die Spüle oder die Toilette entsorgen. Alternativ kann man abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente zur Entsorgung auch in der Apotheke abgeben.

(Noch) keine gesundheitsschädliche Wirkung für den Menschen

Noch gibt es keinen Anlass, auf Leitungswasser zu verzichten. Aber da die Lebenserwartung steigt und immer mehr Arzneien ohne Rezeptpflicht erhältlich sind, wird auch die Menge der eingenommenen – und später ausgeschiedenen – Medikamente steigen.

Sicherlich gibt es bei der Filterung von Arzneimittelrückständen im Wasser Handlungsbedarf, doch sind die von Arzneimittelrückständen in Gewässern nachgewiesen Konzentrationen sehr niedrig und nach jetziger Kenntnis unbedenklich für den Menschen. Zudem stellen Befunde von Arzneimittelrückständen in Trinkwasser die Ausnahme dar; eine Wirkung dieser extrem geringen Konzentrationen ist nicht nachweisbar, da sie weit weniger als therapeutische Dosen betragen.

Aktualisiert: 23.04.2019 – Autor: bo

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