Biometrische Verfahren - Kennzeichen und Identifikation

Kennzeichen biometrischer Merkmale

Damit Verfahren zur Personenidentifikation eingesetzt werden können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen: Die Merkmale dürfen nur bei einer Person auftreten (Einmaligkeit), sollten bei möglichst vielen Menschen vorkommen (Universalität), sich über einen Zeitraum nicht oder nur wenig verändern (Konstanz), möglichst technisch einfach (Messbarkeit), für den Anwender bequem und schnell (Bedienerfreundlichkeit) sowie praxistauglich, möglichst kostengünstig und wenig fehleranfällig erfassbar sein. Um diese Aspekte zu optimieren, lassen sich auch mehrere Verfahren mit verschiedenen Vor- und Nachteilen kombinieren.

Eine erhöhte Sicherheit mittels biometrischer Verfahren geht jedoch auf Kosten des Komforts, was im normalen Alltag nur in bestimmten Grenzen akzeptiert wird. Auch das ist keine neue Erkenntnis – 1885 wurde in Cincinnati der Vorschlag, Zugfahrkarten mittels Daumenabdruck vor Missbrauch zu schützen, fallengelassen, da man dies den Reisenden nicht zumuten wollte.

Möglichkeiten der Identifikation

Die Idee, individuelle Erkennungsmerkmale zu benutzen, ist nicht ganz neu.

  • Die persönliche Handschrift findet als Unterschrift schon seit langem Anwendung, seit Neuem auch als digitale Signatur; die Fälschungsgefahr ist aber seit jeher relativ groß.
  • Die Daktyloskopie, also das Verfahren, Fingerabdrücke zur Identifikation zu nutzen, hat seit etwa 100 Jahren einen festen Platz in der Verbrechensbekämpfung. In China wurden Fingerabdrücke schon ab etwa dem 8. Jhd. n. Chr. zur Beurkundung von Verträgen eingesetzt, in anderen Kulturen fanden Archäologen Steinzeichnungen, Tontafeln und -vasen mit Fingerabdrücken noch älteren Datums. Fingerabdrücke weisen niedrige Falscherkennungsraten auf.
  • Nicht nur die Rillen der Fingerkuppen, sondern auch die Handgeometrie und -linien sowie das Venenmuster des Handrückens werden als biometrische Merkmale genutzt (letztere zum Beispiel seit 2005 im deutschen Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten). Unklar ist bisher die Qualität der Erkennung, insbesondere bei Veränderungen durch Arbeits- und Alterungsprozesse. Weiterer Nachteil ist, dass die Handgeometrie recht viele Ähnlichkeiten bei verschiedenen Individuen aufweist.
  • Eine Vermessung des Gesichts (zum Beispiel für Dauerkarteninhaber im Zoo Hannover) oder der Regenbogen- bzw. Netzhaut (Iriscan, Retinascan, zum Beispiel bei Vielfliegern am Frankfurter Flughafen) sind weitere Möglichkeiten, die bereits zum Einsatz kommen. Augenmerkmalsbestimmungen werden als sehr sicher eingestuft, sind allerdings auch sehr kostenintensiv und werden – aufgrund des für das Abtasten verwendeten Laserstrahls – nur bedingt akzeptiert.
  • Lichtbilder in Ausweisen lassen sich mittels heutiger Technik automatisiert mit dem Gesicht des Betroffenen vergleichen ("maschinenlesbare Ausweise"). Allerdings sind in der Praxis bisher noch nicht ausreichend Proben untersucht worden, um eine verlässliche Aussage über den Zusammenhang zwischen Bildqualität und Erkennungswahrscheinlichkeit machen zu können.
  • Beim genetischen Fingerabdruck wird die DNA einer Person mit einer vom Bundeskriminalamt gewarteten Datenbank abgeglichen (DNA-Analyse) und dient so der Identifikation bei Strafverfahren.

Im Prinzip sind weitere biometrische Merkmale als geeignetes Erkennungsmerkmal denkbar, werden aber bisher noch nicht eingesetzt. Beispiele sind Stimme und Sprachrhythmus, Körperbewegungen, Tippverhalten auf Tastaturen und Körpergeruch.

Aktualisiert: 05.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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