Die Entschlüsselung des Viruscodes

Über Jahrhunderte waren den Heilkundigen zwar die Krankheiten bekannt, von denen wir heute wissen, dass sie durch Viren verursacht werden, doch nicht der auslösende Faktor. Man vermutete, dass die Erkrankungen von einem "Gift" verursacht wurden. Bis in das 19. Jahrhundert hinein war es den Wissenschaftlern nicht möglich, die entscheidenden Substanzen zu isolieren und zu bestimmen.

Die Entdeckung der Viren

Dann machten die Forscher Friedrich Löffler und Paul Frosch im Rahmen ihrer Untersuchungen zur Maul- und Klauenseuche bei Rindern eine interessante Entdeckung: Egal wie stark sie die infektiöse Flüssigkeit aus den Bläschen der kranken Tiere verdünnten – die Erkrankung trat immer in gleicher Intensität auf. Sie schlussfolgerten, dass sich das so genannte Gift in irgendeiner Form selbst vermehren konnte. Abgeleitet von der ursprünglichen Klassifikation als "Gift" wurde diese geheimnisvolle, krankmachende Substanz in der Medizin als "Virus" bezeichnet, dem lateinischen Wort für "Gift" oder "Schleim".

1892: Das erste Virus wird identifiziert

Unter den im 19. Jahrhundert verfügbaren Lichtmikroskopen waren Viren nicht zu erkennen; sie mussten offensichtlich extrem klein sein. Mit dem Beweis, dass Viren viel kleiner als Bakterien sind, verblüffte der Russe Dimitri Iwanowski 1892 die Fachwelt. Er schickte Extrakte aus Tabakpflanzen, die von der so genannten "Mosaikkrankheit“ befallen waren, durch Filter. Die Poren waren kleiner als 0,2 Mikrometer (ein Mikrometer ist ein millionstel Meter), so dass Bakterien in jedem Fall darin hängen blieben. Mit dem von Bakterien gereinigten Extrakt konnte Iwanowski jedoch andere Tabakpflanzen infizieren.

Erkenntnis: Die Viren mussten kleiner als 0,2 Mikrometer sein.
Dem Tabakmosaikvirus gebührte die zweifelhafte Ehre, als erstes Virus identifiziert zu werden. In den kommenden Jahren folgten in rascher Folge weitere Entdeckungen. So wurden unter anderem die Erreger von Maul- und Klauenseuche, Gelbfieber und Tollwut isoliert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt das Hauptaugenmerk der Wissenschaftler zunächst der Erforschung der Kinderlähmung, die sich zu dieser Zeit stark ausbreitete. Dank der Entwicklung eines Impfstoffes wurde sie später, in den 50er Jahren, eingedämmt und schließlich ausgerottet. Wegen der verheerenden Auswirkungen der Spanischen Grippe (Influenza) von 1918 wurde auch dazu intensive Forschungsarbeit betrieben.

1933: Influenzaviren werden erstmals identifiziert

Rund 20 Jahre später: Rhinoviren, die Erkältungen (grippale Infekte) auslösen Die Entwicklung des Elektronenmikroskops durch Ernst Ruska sorgte 1940 dafür, dass man Viren nun tatsächlich sehen konnte. Etwa ab diesem Zeitpunkt wurden in der gesamten Virusforschung bahnbrechende Entwicklungen verzeichnet, die den Grundstein für die moderne Molekularbiologie legten. Diese neuen Techniken werden von Forschern weltweit täglich aufs Neue verfeinert und verbessert. So lassen sich heute die Erbinformationen eines neu aufgetretenen Virustyps innerhalb kürzester Zeit entschlüsseln.

Nähere Informationen zu Viren

Wir wissen jetzt, dass Viren besonders kleine, sehr einfach aufgebaute Infektionserreger sind, die in die Zellen eines Organismus eindringen, um sich dort mit Hilfe des infizierten Organismus zu vermehren.
Viren sind zwischen zehn und 400 Nanometer groß.(ein Nanometer ist ein milliardstel Meter). Sie bestehen aus Nukleinsäure, die die Erbinformationen des Virus enthält, und den sie umgebenden Proteinen. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und zählen zu den Parasiten.

Viren werden in verschiedene Gruppen unterteilt. Diese ergeben sich nicht aus den von ihnen verursachten Krankheiten, sondern nach den drei Kriterien:

  • Art der Erbinformation: RNA oder DNA
  • dem Symmetrieprinzip, welchem der Aufbau der Hohlkörper-Proteine folgt, die die Erbinformation umgibt und
  • dem Vorhandensein einer Hüllmembran

Hüllenlose Viren, zu denen auch die erkältungsauslösenden Rhinoviren zählen, haben das Merkmal, sehr "umweltstabil" zu sein. Das bedeutet, dass sie zum Beispiel durch Austrocknen nicht abgetötet werden können. Häufiges Händewaschen in der alljährlichen Erkältungssaison dient einzig dazu, die Erkältungsviren wegzuschwemmen, kann sie aber nicht vernichten. Umstritten ist unter Wissenschaftlern, ob Viren Lebewesen sind oder organische Substanzen. Ein signifikantes Merkmal, das "Lebewesen" definiert, ist die Fähigkeit zur eigenständigen Vermehrung.

Viren brauchen jedoch Wirtszellen, um sich zu vermehren. Für ihre Klassifikation als lebendige Wesen spricht, dass sie in der Lage sind, sich zu vermehren, ihr Erbgut weiterzugeben und zu wachsen. Hierfür benötigen sie allerdings die Hilfe der Wirtszelle, die sie infiziert haben. Diese stellt den Viren ihre Mechanismen zur Vermehrung zur Verfügung und sorgt dafür, dass die Zahl der Viren in der Wirtszelle zunimmt.

Aktualisiert: 24.04.2017 – Autor: medicalpress

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