Was ist Kinetose?

Was haben ein Kamel sowie ein Schiff gemeinsam und was unterscheidet den Wal vom Menschen? Für Lawrence von Arabien war das Kamel der Kern des "Übels", für die englischen Könige die Schifffahrt. Der Wal hat damit, obwohl er auch ein Säugetier ist, keine Probleme mehr: die Rede ist von Kinetose. Der Ausdruck wurde von dem griechischen Wort für bewegen "kinein" abgeleitet. Im Englischen wird der Begriff mit "motion sickness" übersetzt. Hierzulande wird von Bewegungsschwindel, Seekrankheit, Flugkrankheit oder Reisekrankheit gesprochen.

Wenn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr rebelliert

Erste Anzeichen für Bewegungsschwindel sind Gähnen, Blässe, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Wenn es den Reisenden schwerer getroffen hat, muss mit Übelkeit und Erbrechen gerechnet werden. Ursache ist ein Konflikt im Gehirn, in unserer "Schaltzentrale". Diese bekommt einen "Datenkonflikt" gemeldet: Augen und Gleichgewichtsorgan melden unterschiedliche Zustände. Beim Autofahren melden die Augen Bewegung, welche das Gleichgewichtsorgan im Innenohr nicht feststellt. Auf Schiffen verhält sich dieser "Datensalat" genau umgekehrt. Kinetose ist folglich ein Konflikt nicht zusammenpassender Sinneseindrücke.

Kinetose: Säuglinge nicht betroffen

Das Gleichgewichtsorgan ist Teil des Innenohrs und besteht aus drei Bogengängen, die wie die Wände eines Raums im rechten Winkel zueinander stehen. In den Gängen befindet sich eine gelartige Masse. Gerät diese in Bewegung, wird dies von feinen Härchen in den Bogengängen ans Gehirn weitergegeben. Säuglinge leiden nicht unter Kinetose, da Ihr Gleichgewichtsorgan noch nicht ausreichend entwickelt ist. Da im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses auch die Sinnesorgane "altern", leiden ältere Menschen seltener an Kinetose. Im Schlaf schläft auch das Gleichgewichtsorgan. Empfindlichen Leuten kann daher eine nächtliche Fährfahrt nur empfohlen werden.

Ansonsten gilt bei Kinetose: Konzentrieren Sie sich auf die Bewegung des Fahrzeugs, so vereinen Sie Ihre Sinneseindrücke!

Wale werden nicht seekrank

Wissenschaftler haben in dem Fachmagazin "Nature" (417, 163 - 166, 09 May 2002) darüber berichtet, dass sich die Bogengänge von Walen, deren Vorfahren Landlebewesen waren, nach dem "Schritt ins Meer" in einem raschen Evolutionsschritt verkleinert haben. Wären sie so groß geblieben wie zuvor, würden die größten Säugetiere der Welt bei ihren Drehungen und Wendungen im kühlen Nass von permanenter Kinetose verfolgt werden.

Aktualisiert: 20.04.2012

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